Wie alles begann…

Wie alles begann

Das Cannewitzer Landgut ist seit vier Generation in Familienbesitz. Mein Urgroßvater Johann Traugott Wehle erwarb es im Jahr 1900. Er stammte aus einer Steinbrecherfamilie im nahegelegenen Kubschütz und suchte einen eigenen Steinbruch, den er bewirtschafteten konnte. Zuvor hatte ein gewisser Herr Stark das Bauernhaus und die Scheune im Jahr 1869 – vermutlich aus den Granitsteinen des kleinen Bauernsteinbruchs auf dem Grundstück errichtet. Auf seinem Grundstück brach mein Urgroßvater Granitsteine im Steinbruch, baute Kirschen an und war Ortsvorsteher in Cannewitz.  Mein Großvater Ernst Wehle, der im Jahr 1900 in Cannewitz geboren wurde, führte das Grundstück als Bauer weiter. Der Steinbruch wurde in den 30-er Jahren aufgegeben. Die Landwirtschaft musste mein Großvater nach dem Krieg der staatlichen Genossenschaft (LPG) übergeben.

Die dritte Generation verlässt den Hof

Von seinen vier Töchtern war meine Mutter diejenige, die am längsten auf dem elterlichen Hof blieb und in der Landwirtschaft mithalf.  Zu einer Übernahme des Hofes durch meine Eltern kam es jedoch nicht. So wuchs ich in dem kleinen Dorf Brießnitz  in der Nähe von Cannewitz auf.  Als Kind und Jugendlicher war ich oft in Cannewitz bei meinen Großeltern. Von 1982-84 erlernte ich den Beruf eines Baumschulgärtners und legte eine Mini-Baumschule in einem dafür geschaffenen Garten vor der Scheune an. Nach der Wende im Jahr 1989 plante ich zunächst, in Cannewitz einen kleinen Baumschulbetrieb aufzubauen. Dieses Vorhaben gab ich aber dann doch zugunsten meines Kindheitstraums, Pfarrer oder Lehrer zu werden, auf. Ich holte das Abitur am Abendgymnasium nach und studierte Theologie und später noch Lehramt für höhere Schulen.

Ein Testament und seine Folgen

Im Jahr 1995 verstarb meine Großmutter und vererbte mir das Landgut. Da war ich gerade Student in Neuendettelsau in Bayern. Ich wechselte nach  Leipzig und baue seitdem das gesamte Anwesen Schritt für Schritt auf. Zuerst nutzte ich das Bauernhaus mit Mitstudierenden selbst und veranstaltete Workshops, Lesewochenenden und kleine Seminare. Nach dem Abschluss der beiden Studiengänge im Jahr 2000 vermietete ich die ehemalige große Wohnung des Bauernhauses. Eine Künstlerin am Sorbischen Ensemble in Bautzen war meine erste Mieterin. Im Jahr 2000 baute ich auf Wunsch ihres Freundes die Tenne des Bauernhauses zu einer Etagenwohnung aus und im Jahr 2012 schließlich den Anbau am Wohnhaus zu einer dritten Wohnung.  Gleichzeitig pflanzte ich auf dem Landgut jedes Jahr neue Obstbäume in alten Sorten. Auf diese Weise ist auf dem Grundstück eine Sammlung von inzwischen 230 Obstbäumen ‎in 70 Sorten entstanden. Im Bauernhaus vermiete ich inzwischen die drei entstandenen Wohnungen an junge Familien.

Die Scheune brauchte eine große Idee

Lange habe ich um den Erhalt der Scheune von 1869 gebangt. Im Jahr 2018 konnte ich sie endlich mithilfe von europäischen LEADER-Fördermitteln zum Ferienhaus und zum Wirtschaftsraum mit Obstpresse ausbauen. Beim Ausbau habe ich versucht, die historische Bausubstanz möglichst vollständig zu erhalten. Deshalb ließ ich eine inzwischen eingebaute Tür zurück bauen (siehe Fotos), ließ die Granitsteinwände der Scheune innen und außen mit Sand abstrahlen und beließ alle ursprünglichen Gebäudeöffnungen. Einzig für die Terrasse des Ferienhauses auf der Südseite baute ich zwei Fenster zu Fenstertüren um, damit meine Feriengäste direkt von der Wohnküche zur Sonnenterrasse vor dem Ferienhaus gelangen können.

Das Apfelscheunenprojekt geht weiter. Ein Ausblick

Im Jahr 2023 möchte ich eine zweite Ferienwohnung in der Apfelscheune für max. 8 Personen bauen. Dann soll im Wirtschaftsraum der Scheune ein Seminar- und Tagungsraum entstehen, der zugleich als Wohnküche mit Terrasse der zweiten Ferienwohnung dienen soll. Beide Ferienwohnungen können dann auch gemeinsam von einer größeren Gruppe genutzt werden, die über eine große Wohnküche in der einen Ferienwohnung und einen Seminarraum mit Küche in der anderen Ferienwohnung verfügt.  Der Seminar- und Tagungsraum mit Terrasse und Freifläche am Löbauer Wasser soll dann gelegentlich auch als Sonntagscafé genutzt werden können.  

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